Richard Steinmetz

Steinmetz und Sturmfluten - Schultheiß Richard Steinmetz

In einer alten Chronik finden wir folgende Aufzeichnungen über die Weihnachtsflut 1717:

Es wehte der Wind den 24. December den gantzen Tag und auch den  vorhergehenden gar star aus dem Süden. Gegen Abend aber lief er nach  Westen und ward endlich nordwestlich, und verursachte in der  Christnacht durch seine Heftigkeit eine so ungemeine Wasserflut, die alle anderen großen Fluten, deren sich Menschen zu erinnern wissen,  übertroffen. An der Niederelbe liegt das Land Hadeln, dessen Einwohner  viele Jahre her in erwünschter Ruhe gelebet und Gottes Gnade und Segen  deswegen sonderlich zu rühmen gehabt. Das Wasser aber in der Christnacht hat dieselben dergestalt ruinieret, daß die wenigsten sehen, wie sie wieder emporkommen können. Wie denn das gantze Land an Deichen großen Schaden gelitten, auch an Häusern, deren viele weggetrieben, noch mehr ruinieret worden.

Nach dem Lande Hadeln folget in der äußersten Ecke des festen Landes das Hamburgische Amt Ritzebüttel, welches dergestalt gelitten, daß man zweifelt, ob es sich jemals wieder erholen werde. Das Kirchspiel Groden, oder zum Groden präsentieret sich in seiner erbärmlichsten Gestalt zuerst. Daselbst ist, laut der von dem Organisten Wilcken Hahn  und dem Kirchgeschworenen Jacob Ohm getanen Aussage, das Wasser zwischen 4 und 5 Uhren eingebrochen. An etlichen Orten 10 Fuß, an anderen Orten 4 - 5 Fuß auffgelauffen, daher der Schaden different.

In der Pfaffengasse zu Groden und in andern niedrigen Häusern sind aus allen Häusern die Wände und Fenster fort, und haben die Einwohner alles eingebüßet und nur wenig Vieh gerettet. Nahe bei der Kirche herum hat  man gleich in den ersten 3 Tagen 9 Todte zu zählen gewußt und 4 Todte sind daselbst von anderen Orten angetrieben, die man nicht gekannt. In  der Kirche hat das Wasser dritte halb Fuß hoch gestanden. In gedachter  Kirche ist das Gewölbe von dem Begräbnisse der Herren Amtmänner einen Fuß tief gesunken, desgleichen auch der Herren Prediger ihres in der Beichtkammer.

Soweit der Chronist über die Weihnachtsflut 1717.

Unser Vorfahre Adam Steinmetz, Schuhmacher in Ritzebüttel, verlor nach dieser Chronik eine Kuh, zwei Jungtiere und ein Schaf.

Nach mündlichen Überlieferungen hatte auch bei der Sturmflut von 1825  Südweststurm geherrscht, der plötzlich auf West und Nordwest  umgesprungen war. Viele Menschen wurden im Schlaf vom Wasser  überrascht.

Von Johann Wilhelm und Cicilia Steinmetz wird erzählt:

Cicilia wacht in der Nacht von merkwürdigen Geräuschen auf. Sie weckt ihren  Mann: “Willem, Willem, hör ins, wat klappert dor?” Wilhelm steht auf und tritt schon ins Wasser. Was da klapperte, das waren die Holzschuhe, die unter dem Bett im Wasser schwimmend gegeneinander stießen.

Bei  dieser Flut ertranken nicht so viele Menschen wie 1717, doch der  Schaden an Vieh, an Land, an Gebäuden und an den Deichen war ungeheuer.  Viele Menschen starben in den Jahren nach den Fluten am “Marschenfieber”, das dem Krankheitsbild der Malaria ähnelte. Auch Cicilia Steinmetz, geb. Neuhaus, starb an diesem Fieber.

Es mag sein, dass diese Erfahrungen in der eigenen Familie dazu beitrugen, dass "Steinmetze” sich über die obligatorische Deichabgabe hinaus in besonderer Weise für die Pflege und Erhaltung der Deiche einsetzten.

So folgte Richard Steinmetz seinem Vater in dem Amt als Schultheiß des Cuxhavener Deichverbandes für insgesamt 18,5 Jahre nach.

Mit  fünf Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften sowie dem ehrenamtlich tätigen  Vorstand mit dem Schultheiß als Vorsitzenden schützt der Cuxhavener  Deichverband sein Verbandsgebiet vor Überflutungen. Dieses Gebiet reicht von der Baumrönne (etwa der Verlängerung der Autobahn an die Elbe) im Osten bis zur Duhner Heide im Westen und vom Deich bis zur 6 m Höhenlinie im Süden. Es hat somit eine Fläche von 2300 ha.

Am 08.05.2007 gab Richard Steinmetz das Amt an seinen Nachfolger ab.  Gleichzeitig würdigte der neu gewählte Deichverband die langjährige Arbeit Richard Steinmetz’ durch die Wahl zum Ehren-Schultheiß.

Von  der Stadt Cuxhaven wurde er für seine Verdienste mit der Schlossmedaille  geehrt.

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© Michael Schubert 2013